Das würde ich so nicht unterschreiben!
So ein aufgeräumtes Cockpit gefällt den Leuten schon sehr, sehr gut.
Ok, dass sich das nicht gescheit bedienen lässt, merkt man dann halt später.
Gutes Aussehen zählt, das weiß man seit den lackierten Stoßfängern. Diese waren auch noch nie so richtig praktisch. 😉
Die Grundsatzfrage ist doch folgende: Schafft der Bedarf "technische Innovation" oder ist es die "technische Innovation", die den Bedarf schafft?
Ich sage Letzteres: Um sich zu differenzieren, wettrüsten Auto- und Motorradhersteller um die Wette und dann wird es dem Kunden über sehr gutes Marketing und Werbung als technische Innovation – die man unbedingt haben muss, weil es ohne sie nicht mehr geht – verkauft. Die Kunden lassen sich beeindrucken und der Kaufreiz wird ausgelöst.
Werbung in den 80ern/90ern ging um das Fahrerlebnis und die technischen Vorzüge beim Fahren. Heute ist es stylische Werbung, à la Raffaello-Werbung, in der nur noch Emotionen transportiert werden.
Die Horde der Influencer mit und rund um 1000 PS rattert doch nur noch Dinger runter, die völlig unerheblich sind.
"Hurra, jetzt hat das neue Modell endlich einen TFT Screen" oder "Der TFT Screen ist von 5,5" auf 5,7" gewachsen" => eine technische Meisterleistung in der hohen Kunst des Motorradbaus
"Keyless Go ist das Beste seit der Erfindung des geschnittenen Brots." "So schade, dass es beim Tank nicht funktioniert" => Skandal!
"Die Connectivität des Motorrads ist hervorragend. Apple CarPlay, Wlan, Bluetooth, Satellitenverbindung zum Mars - Wunderbar!"
Das haben sich doch keine Motorradfahrer gewünscht. Auf solche Ideen wäre der mittelintelligente Motorradfahrer nie gekommen.
Fazit: Wenn ein Motorrad heute kein TFT, Keyless Go und Connectivität zu Marsianern hat, dann ist es kein gutes Motorrad und somit unverkäuflich. Genau da setzt meine Freude an der einfachen und ehrlichen R9T ein, auch wenn das Fahrwerk holzig ist und ich noch nicht mal eine Tankanzeige und DZM habe. Minimalismus bei den Features bringt Freude am Fahren.